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Client Technologien: Open Client der IBM in der Praxis

Jutta Kreyss und Andreas Pleschek gaben am 19. Februar 2008 einen Einblick in den linuxbasierten Open Client der IBM. Die Zuhörer erfuhren mehr über die Open Client Strategie der IBM und hörten von bewährten Vorgehensweisen bei der Migration auf Linux-Clients.

Open Client Strategy der IBM

Andreas Pleschek berichtete über Dynamic Clients der Zukunft als Teil der Open Client Strategie der IBM. Desktops müssen heutzutage die Erwartungen von drei Generationen erfüllen. Die älteste Mitarbeitergeneration arbeitet dokumentenzentriert, d.h. Dokumente stehen bei der täglichen Arbeit im Mittelpunkt. Die nächst-jüngere Generation arbeitet personenzentriert, d.h. Personen und Kollegen bilden den Arbeitsmittelpunkt. Die jüngste Mitarbeitergeneration agiert community- und sozialzentriert und nutzt intensiv soziale Netzwerke, das persönliche Netzwerk und Communities als eine neue Form der Kommunikation. Alle drei Generationen stellen andere Erwartungen an einen Desktop und IBM möchte diesen Erwartungen in einem Client durch "Open Computing" begegnen. "Open Computing" ist die Schnittmenge aus Open Standards, Open Architecture und Open Source. Offene Standards sind die Voraussetzung für Interoperabilität. Offene Architekturen ermöglichen erst die Zusammenarbeit der Systeme über offene Standards. Beides wird durch Innovationen aus dem Open Source Umfeld vorangetrieben, da hier meist nur offene Standards implementiert werden können.

Vortrag Andreas PleschekDer Open Client ist eine Strategie von IBM, die sich zunächst in den Komponenten von Lotus in Form von Lotus Notes, Sametime und Lotus Symphony niederschlägt. Nach Meinung von IBM wird ein Open Client am besten durch eine einheitliche Middleware realisiert, die die Software auf den verschiedenen Betriebssystemen ermöglicht. Grundlage des Open Client ist die Eclipse Rich Client Platform (RCP). Zusammen mit Lotus Expeditor bilden sie die Middleware u.a. mit J2EE, JSP, Servlet Container und Datenbank-Konnektoren. Die Architektur ermöglicht die Entwicklung von Anwendungen in diesem Framework, so dass sie durch die Middleware unter Windows, Linux oder Mac OS lauffähig sind. Ergebnis ist ein einheitlich aussehender Client, dessen Komponenten integriert miteinander agieren und der vor allem in der Lage ist offline zu arbeiten, d.h. ohne Verbindung zu einem zentralen Server. Der Preis ist der Ressourcenverbrauch von mindestens 1GB Arbeitsspeicher. Durch Middleware wird der Client plattformunabhängig und der Anwender entscheidet selbst, auf welchem System er den Open Client einsetzt.

Andreas Pleschek führte den aktuellen Entwicklungsstand live vor. Er präsentierte seine Folien aus Lotus Symphony heraus, das zusammen in einem Fenster integriert mit Lotus Notes erschien. Lotus Symphony ist eine Abspaltung von OpenOffice.org 1.1, dessen Import-/Export-Filter u.a. neu entwickelt wurden und dass sich auf die grundlegenden Office-Funktionalitäten beschränkt. Mit dem Beitritt zur OpenOffice-Community lässt IBM diese Erweiterungen in OpenOffice einfließen und unterstützt klar das OpenDocument Format.

Der Open Client IBM intern

IBM setzt seinen Open Client intern für seine eigenen Mitarbeiter ein. Jutta Kreyss berichtete über Historie und aktuellen Projektstand des internen Open Clients. Es kam deutlich heraus, dass er evolutionär in den Labors entstanden und gewachsen ist.

Vortrag Jutta KreyssDer IBM-interne Open Client besteht aus einer Linux-Distribution, derzeit Red Hat und Suse (im Test). Darauf setzen der Lotus Mobility Client und Anwendungen wie Mozilla Firefox auf. Anwendungen wie Lotus Notes und Sametime werden dem Benutzer auf Grundlage der Eclipse Richt Client Platform und des Expeditors angeboten. Der Client ist für verschiedene Benutzerrollen konzipiert, z.B. Standard und Developer. Der Fokus liegt auf der Integration des Linux Clients in den IBM-Betrieb. Hierfür verfügt der Client zum Einen über Werkzeuge für Software Management, optimierte Hardware-Nutzung und Sicherheit. Hinzu kommt Software für Collaboration (Lotus Notes, Sametime und Symphony), Dateiverwaltung, Audio & Video und Browser.

Zur Verteilung und Pflege des Open Clients betreibt IBM parallel zur Windows-Plattform und mit Unterstützung der Distributions-eigenen Werkzeuge eine separate Infrastruktur. Hinzu kommen Support und Service, der - soweit möglich - durch Benutzergruppen vor Ort geleistet wird und bis zum Level 3 Support reicht. Beim Rollout und der Akzeptanzsteigerung setzt IBM auf die interne Community. Es gibt "teach the teacher classes" und organisationsübergreifende Tutoren-Communities in jedem Land. "Install Parties" erleichtern den Anwendern den Einstieg und "Follow-up Calls" sorgen für die Kontinuität im Umgang mit dem neuen Client. Nach dem Prinzip "Nutzer helfen Nutzern" werden Communities gezielt durch Verwendung von Mailingliste, Foren und den "Bluegroups" aufgebaut.

Bewährte Vorgehensweisen

Für die Migration einer Desktop Umgebung hat sich jedoch eine systematische Herangehensweise bewährt. Jutta Kreyss stellte eine vierstufige, systematische Vorgehensweise für Migrationsprojekte (IGS Methode) vor und legte den Fokus auf die Planung. In der Planungsphase kann bereits festgestellt werden, ob eine Migration überhaupt Sinn macht und den Aufwand rechtfertigt. Des Weiteren wurden drei Migrationsstrategien vorgestellt, die sich in Aufwand und Laufzeit unterscheiden. Als wichtiger Schritt wurde die Klassifizierung und Segmentierung der Benutzer identifiziert. Sollte beispielsweise festgestellt werden, dass ein Großteil der Benutzer eine bestimmte Fachanwendung benutzt, die auf der migrierten Plattform nicht zur Verfügung steht, sollte die Durchführung der Migration in Frage gestellt werden. Ist jedoch das Gegenteil der Fall, müssen die Benutzerdaten im Detail untersucht, die Applikationslandschaft vereinfacht und der fortlaufende Betrieb sichergestellt werden. Die Beispiele zeigen dem Zuhörer die Möglichkeiten auf und geben Einblick in die Machbarkeit und Planbarkeit eines solchen Projekts. Interessierte können das Thema der Linux Client Migration im genannten Redbook (siehe Links) vertiefen.

Diskussion

Die anschließende Diskussion griff einzelne Punkte aus den Vorträgen wieder auf, schwenkte aber schnell in Richtung Interoperabilität und Plattformunabhängigkeit um. Alle Facetten der Diskussion wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen. Ein paar Punkte seien jedoch genannt.

Diskussion & ErfahrungsaustauschIn Zukunft wird nicht mehr die Frage im Raum stehen, welches Betriebssystem eingesetzt wird, sondern welche Standards Verwendung finden und somit Interoperabilität gewährleisten. Linux auf dem Desktop entscheidet sich bei den Office-Anwendungen und in welchen Formaten die Daten vorliegen. Aktuelle Distributionen zeigen einen ansprechbaren Desktop, ermangeln jedoch business-relevante Anwendungen. IBM hat mit Expeditor ein Framework geschaffen, um plattformunabhängige Clients zu entwickeln. Der Client-Desktop ist nur die Spitze des Eisberges bei einer Migration. Die wirkliche Arbeit ist tiefer versteckt und verlangt eine Unternehmensstrategie der offenen Standards und der Forderung nach Interoperabilität gegenüber den Herstellern.

Vorträge

Die Präsentationen der Vorträge werden den anwesenden Teilnehmern der Veranstaltung und den LiSoG-Mitgliedern auf Anfrage bei der LiSoG-Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt.

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