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Virtualisierungslösungen im Vergleich

Am 10. April fand in Hamburg der LiSoG>>Pitch: "Virtualisierungslösungen im Vergleich" statt. Dr. Fred Hantelmann gab den Teilnehmern einen umfangreichen Überblick zu Virtualisierungsarchitekturen und Nutzen der Technologie. Henning Sprang ging im Detail auf Xen ein. Einen Praxisbericht über den Einsatz von Virtualisierung bei den Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) gab Jan Koop.

Die gut besuchte Veranstaltung beinhaltete drei Vorträge inklusive kurzer Fragerunde und anschließender Diskussionsrunde & Erfahrungsaustausch. Beim abschließenden Get together nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen aus der Diskussion mit den Referenten zu vertiefen. Auf großes Interesse stieß der Erfahrungsbericht von Jan Koop. Die Vorträge wurden jeweils von zahlreichen Fragen der Teilnehmer abgerundet.

Virtualisierung - Konzepte, Nutzen, Grenzen

Vortrag Fred Hantelmann Den Anfang machte Dr. Fred Hantelmann, IT-Architekt bei ONLINE Systemhaus ES+C GmbH und Autor von Fachpublikationen u.a. zum Thema Virtualisierung. Die Motivation zur Virtualisierung begründet sich meist auf IT-Konsolidierung mit einhergehender Steigerung von Effizienz, Sicherheit, Skalierbarkeit und Flexibilität. Entscheider erwarten von Virtualisierung Kostenreduktion, Personalentlastung und Reduktion der Systemkomplexität. Für Administratoren bedeutet Virtualisierung jedoch neben dynamischer Ressourcenzuteilung, Live-Migration virtueller Instanzen und Snapshot-Funktion. Neue Konzepte und der Umgang mit Wirts- und Gastsystemen müssen erlernt werden.

Fred Hantelmann stellte zunächst die unterschiedlichen Konzepte der Virtualisierung vor und ging detaillierter auf die Virtualisierungsarchitekturen ein:

  • Server-Virtualisierung
  • Storage-Virtualisierung
  • Netzwerk-Virtualisierung
  • Desktop-Virtualisierung
  • Applikationsvirtualisierung

Bekannte Virtualisierungsprodukte wie Bochs, QEMU, FreeBSD Jails, Linux VServer, Virtuozzo/OpenVZ, VMware, VirtualBox, Parallels Desktop und Xen wurden in das Schema Emulation, Virtual Machine Monitor, Betriebssystem-Virtualisierung und Paravirtualisierung eingeordnet. Pro & Contra beim Einsatz von Open Source Virtualisierungssoftware fehlten ebenso wenig, wie eine Gegenüberstellung, was die einzelnen Produkte leisten. Der Nutzen von Virtualisierung liegt laut Fred Hantelmann in der Hardware-Konsolidierung, der flexibleren Gestaltung der Systemlandschaft, im vereinfachten Speichermanagement (Storage-Virtualisierung), der Entlastung der Administratoren und der Kostenreduktion. Neben all den Vorteilen setzt Virtualisierung ein höhes Maß an Sachverstand, professionelle Planung und die Entscheidung für eine konkrete Technik voraus.

Xen Enterprise Virtualisierung

Vortrag Henning SprangHenning Sprang, Mit-Autor von "Xen - Virtualisierung unter Linux", stellte im Anschluß die Virtualisierungslösung Xen vor. Xen ist ein Hypervisor, der ursprünglich für paravirtualisierte Gäste entwickelt wurde. Intel erweiterte ihn um VMX-Kompatibilität für Hardware-Virtualisierung, so dass der Betrieb von unmodifizierten Gästen möglich ist. Der Hypervisor ist eine Kontrollinstanz für das Betriebssystem. Paravirtualisierung benötigt einen modifizierten Gast und ermöglicht durch direkte Kommunikation mit Treibern eine gesteigerte Effizienz.

Xen wurde ursprünglich in den Laboratorien von Cambridge entwickelt und ist mittlerweile in den großen Distributionen enthalten, wobei sie sich jeweils meist mit der Einbindung von anderen Distributionen schwer tun. Die Ausgründung XenSource wurde 2007 von Citrix gekauft. Google, Amazon EC2 und das Debian Projekt sind nur ein paar Beispiele für Anwender von Xen. Unabhängigen Support gibt es bei verschiedenen IT-Dienstleistern. Einige Hardware-Hersteller unterstützen Xen mittlerweile auch mit ihrer Hardware. Citrix bietet kommerziellen Support für Xen in Form von Sicherheitsupdates und Problembehebungen, allerdings nicht für die Open Source Variante.

Der Vorteil von Xen liegt in der Herstellerunabhängigkeit, der Performance durch Paravirtualisierung und Hardware-Virtualisierung. Durch seine Quelloffenheit und APIs ist es gut anpassbar. Die kommerziellen Versionen können mit VMware mithalten. Für den Desktop ist Xen nicht so gut geeignet und die Integration in den Linux-Kernel bleibt weiterhin offen. Trotz alledem ist Xen eine fortgeschrittene und mächtige Technologie. Enterprise-Lösungen werden von namhaften Herstellern unterstützt. Der Boom im Virtualisierungsmarkt treibt die Technologie weiter voran.

Serverkonsolidierung - Ein Praxisbericht

Vortrag Jan KoopDen Abschluss der Vorträge machte Jan Koop, IT-Verantwortlicher der Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp). gmp verfügt über mehrere Standorte mit ca. 500 Mitarbeitern. Das zentrale Rechenzentrum befindet sich in Hamburg und pro Niederlassung gibt es einen Server. CAD, Office-Anwendungen, Mail, Projektmanagement, 3D Software und Spezialanwendungen sind Bestandteil der IT-Landschaft. Die IT-Infrastruktur - Mail, FTP, Intranet und Print - wird mit Linux abgedeckt. Für die Spezialanwendungen kommen Windows-Server zum Einsatz. Hinzu kommt ein "Wildwuchs" an Maschinen für unterschiedliche Aufgaben. Mit steigender Zahl der Server gingen Übersichtlichkeit und Verwaltbarkeit verloren. Die Situation war an allen Standorten ähnlich. Daten- und Ausfallsicherheit waren schwer zu gewährleisten. Verschwendete Ressourcen, ein hoher Strom- und Platzverbrauch stellten zunehmend ein Problem dar.

Zur Lösung der Probleme wurde Virtualisierung mit VMware Server eingeführt. Wegen der guten Unterstützung von Windows als Gastsystem zur Zeit der Entscheidung fiel die Wahl auf das kostenlose Produkt VMware Server. VMware Infrastructure bietet "nice-to-have" Funktionen, die jedoch nicht die hohe Investitionsschwelle rechtfertigen. Für die Speicherkonsolidierung wurde auf iSCSI gesetzt. In der Zentrale läuft ein Red Hat Enterprise 4 mit VMware Server als zentraler Server. Zur Ausfallsicherheit steht ein Standby-System zur Verfügung. Der Server ist über iSCSI an das SAN angeschlossen. Die Standorte verfügen jeweils auch über eine VMware Server-Installation. Bilanz ist eine Einsparung von 20 Servern, eine deutlich vereinfachte Administration bei Ausgaben von < 40.000 Euro für das Projekt.

Diskussion & Erfahrungsaustausch

TeilnehmerNach einer kurzen Kaffeepause begann der letzte Programmpunkt mit Diskussion & Erfahrungsaustausch. Moderiert von Carsten Brunke, inmedias.it, wurde die Diskussion sofort von den Teilnehmern aufgegriffen. Henning Sprang gab Einblick in die Aktivität der Xen-Community und in die Supportleistung durch die Community. Die Teilnehmer interessierten sich sehr für die weiteren Planung bei gmp. Fred Hantelmann blickte in der Entwicklungsgeschichte der Virtualisierung zurück. Alle drei Referenten schätzten die Zukunft der Entwicklung von Virtualisierungslösungen weiter positiv ein.

Bei einem leckeren Essen klang die Veranstaltung im Get Together aus. Jeder Referent wurde von einzelnen Teilnehmern mit weiteren Fragen konfrontiert. Für den Veranstalter war die Veranstaltung ein Erfolg. Inhaltlich waren die Vorträge sehr ansprechend und die Teilnehmer waren insgesamt sehr zufrieden.


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