Die sanfte IT-Revolution in der Schweiz: das Linux-Projekt des Kantons Solothurn
In den Amtsstuben des Kantons Solothurn spielt sich derzeit eine Aufsehen erregende Revolution ab. In Zeiten knapper Haushaltskassen geht es ums Geld, genauer: um Kosteneinsparungen im sechsstelligen Bereich. Dass auch in deutschen Kommunen und Behörden ein derart hohes Einsparpotential darauf wartet, entdeckt und genutzt zu werden, ermöglicht das Betriebssystem Linux, das bis Ende 2008 auf 2000 Behörden-Arbeitsplätzen im Kanton Solothurn laufen soll.
Bereits über 1.000 Verwaltungsmitarbeiter im Kanton Solothurn wurden bis zu diesem Zeitpunkt auf ihrem eigenen Linux-Desktop geschult und können problemlos damit arbeiten. Die sanfte Linux-Migration ihrer Arbeitsplätze in den Amtsstuben im Schweizer Nordwesten erhält die volle
Unterstützung der Bediensteten. Seit Januar 2007 werden in einem präzise kalkulierten 3-Stufen-Plan die Desktops auf das freie Betriebssystem migriert. Bis Ende 2008 soll auf allen 2000 Arbeitsplätzen flächendeckend mit dem Linux-Desktop gearbeitet werden können.
Das größte Open-Source-Projekt in der Schweiz verläuft „problemlos, die Umstellung ist ein voller Erfolg und ein großer Fortschritt,“ resümiert Kurt Bader, Leiter des Amts für Informatik und Organisation (AIO) im Kanton Solothurn. Auf dem Heise Kongress „Open Source Meets Business“ in Nürnberg präsentierte er am 23. Januar 2008 dem Fachpublikum seine Strategie für mehr Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Flexiblität unter Linux.
Schlagende Argumente für die öffentliche Verwaltung
Einmal mehr wurde die Aktualität und Brisanz des Themas deutlich, als Kurt Bader im Nürnberger CongressCenter Ost die Evalution, Entscheidungsfindung und Erfahrung mit Open Source darstellte: Der Vortragssaal „Shanghai“ war gefüllt mit Zuhörenden, die sich gefesselt zeigten vom Ausmaß und Erfolg des Migrationsplans im Kanton Solothurn.
Das Ziel des mustergültigen Migrationsprojekts ist es, die derzeit eingesetzte Microsoft-Desktopumgebung von 2000 Beamten-Rechnern durch Linux zu ersetzen. Gute Gründe für die Abkehr vom proprietären Anbieter in Kommunen gibt es viele. Dazu zählen u.a. die Stabilität von Linux, die Befreiung von Marktzwängen sowie die Virenunanfälligkeit und technische Reife.
Real fassbare Einsparungen
In Baders Vortrag stechen zwei Argumente besonders heraus: „Die Unabhängigkeit von Lieferanten und dessen Geschäftspolitik spielte eine wichtige Rolle bei unserer Entscheidung. Darüber hinaus war die Kostenoptimierung ein bedeutendes Argument für das freie Betriebssystem Linux“. Der Kostenvergleich gibt dem Amtsleiter Recht. Auf eine Umgebung mit 2000 Clients gerechnet spart der Linux-Desktop im Vergleich zum Windows Standard-Client über 70 Prozent an Lizenzgebühren.
Vor dieser Realität darf keine Behörde, keine öffentliche Verwaltung ihre Augen verschließen. Mit Weitblick und gutem Beispiel ist so die Stadt Freiburg vorangegangen. Sie hat den Grenzen überschreitenden Austausch wörtlich genommen und Vertreter in den Kanton Solothurn geschickt, um Synergieeffekte effektiv zu nutzen.
IT-Leiter und Mitarbeiter: Gemeinsames Ziehen am Migrationsstrang
Doch wie lassen sich den Verwaltungsmitarbeitern die anstehenden Veränderungen schmackhaft machen, wie kann man ihnen die Scheu vor einer neuen, noch ungewohnten Umgebung nehmen? „Der wesentliche Erfolgsfaktor ist die direkte Kommunikation mit unseren Mitarbeitern“, verdeutlicht Kurt
Bader das Konzept. Denn die gute Nutzerannahme von Linux kommt nicht von ungefähr:
Entgegen landläufiger Befürchtungen erwartete die Mitarbeiter im Kanton keine durchweg neue Umgebung gegenüber dem gewohnten Desktop. Vieles ist gleich oder ähnlich. Vielfach ist die eingesetzte Open-Source-Software aber auch einfacher zu bedienen und die intuitive Navigation zwischen Anwendungen und Dateien erleichtert dem Verwaltungsangestellten das tägliche Werk. Den Mitarbeitern steht darüber hinaus ein breites Angebot an frei wählbaren Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. In Informationsveranstaltungen, Intranet-Publikationen oder FAQs lassen sich Fragen schnell beantworten.
Konsequenter Fortschritt durch Linux
Die Solothurner Lösung basiert auf dem internen Linux-Know-how, das über Jahre hinweg aufgebaut wurde. So begann die erfolgreiche Open-Source-Karriere des Kantons bereits im Jahr 2001 mit dem Einsatz von Linux-Servern in der gesamten EDV-Umgebung. Die Stabilität des Systems und das Einsparpotential überzeugte auch den Regierungsrat des Kantons Solothurn. Dieser beschloss im Herbst 2007, dass die bisherige Strategie im Informatikbereich inhaltlich ohne Veränderungen weitergeführt wird und für die nächsten vier bis acht Jahre Gültigkeit haben soll. Ein voller Erfolg für Kurt Bader und sein Team vom AIO.
Nadia Zaboura